Samstag, 14. April 2012

April-nachoster-facebookcrossers-bc-crossings

Die Farbe des Himmels über Zürich war bei Ankunft mehrheitlich stahlgrau, und auch am Freitag Morgen und auch als ich wegfuhr: Dramatische stahlblaue Wolken beherrschten das Licht, dazwischen ein paar Sonnenstrahlen, die auf besseres Wetter hoffen liessen, immerhin kein Regen. Aber: Der Schirm war immer dabei an diesem ersten facebookcrossers-meetup nach Ostern im 2012.

Wie immer erst meine Tour gemacht und auf Bücherjagd gegangen. Ausnahmsweise war ich schon am Vorabend angereist, und konnte am Donnerstag morgen gleich los nach dem Frühstück, erst ins Zürcher Brocki, dann zum Tigel im Seefeld. An beiden Orten tolle neue Bücher gefunden, was natürlich ein Brocki-Bookcrossers-Herz erfreut.

Über Mittag im Gloria ein „Ciabatta Gloria“ genossen, für 9 Franken ein kleines Mahl, das wie immer hervorragend schmeckt. Um die Mittagszeit ist kaum ein Platz leer,  deshalb treffe ich erst erst um 13h ein. (Hier an dieser Stelle sei noch Spy gedankt für die Beherbergung und auch das feine Nachtessen -grüner Spargel überbacken mit Brösmeli- das sie am Mittwoch Abend für uns kochte.)

Oski mit spy-there und MalLisa
Um 19h gibt es dann einen kleine Überraschung: MalLisa bringt ihren alten Freund Oski mit, der eigentlich auf dem Weg nach Hause war, sich aber gerne mal kurz unsere Sache hier besah und auch bookcrossing erklären lässt. Er muss dann aber nach einem Bier und Schoggiosterhas heim, weil er mit dem Enkelsohn noch Hausaufgaben machen sollte. Mallisa geht mit ihm im Sommer mit noch ein paar anderen gerne auf den See mit einem Motorboot wie sie uns verriet (wir sind ja sowas von neugierig). Sie kannte ihn von ihrer Arbeit als Grafikerin, er sei einer der letzten Gautscher wie das früher geheissen hat...also ein Drucker. 
Oski hat es gefallen mit uns

Es war wieder einmal „nur“ der harte Kern da, dafür alle in glänzender Laune, was immer freut. Ich hatte mir  – falls es einmal langweilig würde - ein Spiel ausgedacht, nämlich dass jede(r) ein Lieblingswort mitbringt und kurz darüber referiert, weshalb er gerade dieses auswählte. Wa soll ich sagen: Wir sind einfach nicht dazu gekommen. Immer war etwas los, einfach kaum zu glauben, wie rasch die zwei Stunden um waren. Zum Essen gab es Osterhasen und Spys Kekse (mitgebracht), die Getränke vom Gloria, wir wollen ja den Wirt nicht vertäuben.

Unser Wirt am Buffet
Ein Apple-fan ohnezweifel;-D
Photshop machts möglich.....
Spy mit Mac- ein gelungenes Foto, wie ich meine...
Es waren dann noch ein paar junge Leute da, denen wir aufgefallen waren, die drei Jungs zogen, als sie gingen, mit einem nonchalanten Lächeln an uns vorüber, aber dann war da noch eine Gruppe mit Mädchen dabei, die hielten an und liessen sich bookcrossing erklären. Spy wetzt zum Shelf um die Flyer zu holen um sie ihnen wärmstens ans Herz zu legen.  Auch zeigen wir ihnen auf Spys Macbook pro wie die bookcrossing-hp aussieht. Wir müssen uns anstrengen, Jede und Jeden umwerben, von Nix kommt Nix.

MalLisas facebook-account zu aktivieren war nicht möglich, sie hat das Passwort nicht mehr, und facebook kennt auch die Email-Adresse nicht. Irgendwer hat ihr einmal ein Profil gemacht, nun müssen wir schauen, wie wir da Zugang bekommen, denn sie möchte jetzt auch sehen, was die facebookcrossers dort so machen. Wr verlieren Zeit mit dieser Übung, aber es muss sein, denn MalLisa ist unsere treueste facebookcrosserin die wir im Moment haben.
Unsere MalLisa

Nachdem die Osterhasen fast verputzt sind, es auch schon wieder gegen 22 h geht, werde ich wieder mit MalLisas Wagen heimgefahren, und auch Spys macbook kommt im Auto mit, denn es regnet wieder und Spy ist wie immer mit dem Velo unterwegs. Wir fahren den nassen Sihlquai entlang, wo die blutjungen Girls auf Freier warten, ohne Schirm, das würde wohl das Geschäft schädigen wie es scheint. Wir wechseln ein paar bedauernde Worte über die armen Mädchen, dann waren wir auch schon da. MalLisa parkt in Spys Hinterhof, wo es immer Platz hat und auch Spy ist schon hier, es wird ausgeladen - ich wundere mich immer, wieviel Zeug - mehrheitlich Bücher - da jedes Mal zusammenkommt, einfach unglaublich. MalLisa fährt sogleich weiter, denn es war wieder intensiv, und auch ich bin müde und gehe sofort hoch ins Dachzimmer, und wundervoll geschlafen.
Eine neue Buchstütze fürs Shelf aus dem Tigel

Am nächsten Morgen hatte ich mich um 10h mit MalLisa bei ihr zu Hause verabredet, wir wollen schauen, ob wir bei facebook rein kommen. Leider wurde daraus nix, immerhin stimmt das Passwort für Bookcrossing sodass wir für die mitgenommen Bücher einen Journaleintrag machen konnten. „All das“ sage ich immer, Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut, gut Ding will Weile haben, und was der guten Sprüche mehr sind. Es wird schon werden. Bis zum nächsten Mal hoffe ich, dass wir das gemeinsam geschafft haben. Wir bleiben dran, versprochen.


Unser Tisch im Gloria am 12.4.2012
Ein Geschenk von spy das freut!
Manuma gesehen von spys macbook pro.....
....und was daraus geworden ist;.)




Mittwoch, 14. März 2012

Das facebookcrossers-märz2012-meetup


Wir sind fix, und wir sind foxy....

Nachdem sich auch noch Ghanescha aus dem Allgäu ankündigte für unser facebookcrossers-märz-meetup, und auch franaloe sowie lotta_torkel da waren, hat der Abend einiges an Leben und Büchern und Gesprächsstoff geliefert, und zu guter letzt fand sich auch noch unser aller Hans Witschi aus NY via Skype auf spys mitgebrachtem MacBook pro ein, so dass es ein ganz toller und vergnüglicher Anlass wurde, sogar der Wirt liess sich ablichten mit Ghaneschas Kamera, machte auch Fotos von uns, die demnächst übermittelt werden sollten und hier dann eingebaut werden. Hans paffte frech eine Zigarette (oder was es war) vor unserer Nase, und wir lachten laut und schimpften: „He, da raucht ja einer!!!“ (Das Gloria ist seit kurzem rauchfrei; Hans war überhaupt gut drauf, und wir lachten viel mit ihm.)



spy-there erhielt einen kleinen selbstgemachten Osterhasen aus Schulte-Mohair von Bärenmacherin manuma, als eine kleine Erinnerung an das Treffen zum Frühlingsbeginn am Dienstag den 13. März 2012, der so nie wieder stattfindet und auch als Dank für die grosse Mühe, die sich sich immer macht mit unserer Unterkunft bei ihr im Dachzimmer. (Wenn wir dann einmal alt und tattrig sind, werden wir uns die Fotos wieder angucken und grölen, und vielleicht sogar noch einmal in dieser Formation zusammenkommen, wer weiss.) Auch ein Topf mit Osterglocken ist mitgereist, der die Luft im Gloria mit seinem Duft parfümierte.

franaloe hatte mit ihrem Macbook air erst etwas Mühe ins Gratis-Netz vom Cafe Gloria zu gelangen, aber nach ein paar Anläufen und Unterstützung vom Wirt klappte es dann und sie konnten die gemachten Fotos gleich via skype hinüber beamen von spys mac (der einen slot hat für die memorycard von Ghaneschas Kamera, tja, schon toll, was die Girls da machen heutzutage.....) Da mein neuer Akku nicht rechtzeitig eintraf, war ich ohne meine geliebte coolpix unterwegs, aber ich kann zwischenzeitlich vermelden, dass er eingetroffen ist, und seine Arbeit bereits aufgenommen hat.
MalLisamalanders.

Von MalLisa erfahren wir, dass sie schon öfters in Zürich ausgestellt hat, und ich bitte sich nochmals, das nächst Mal doch mal ein Bild mitzubringen, damit wir uns ein Bild machen können von ihrem Werk. Dafür zeigte uns Hans Witschi seine neusten Werke am Bildschirm, er war fleissig wie es scheint, bestimmt arbeitet er auf eine Ausstellung hin. Wir dürfen gespannt sein.
Und dann die Bücher. Wir hatten dieses Mal drei, nein: vier Tische belegt mit all den Büchern die wir hatten, Laptops, Getränken, Schöggeli, sowie selbstgemachten veganen Guetsli; gut die Hälfte der mitgebrachten Bücher fanden eine Interessentin, die andern kamen aufs shelf, und die shelfhocker in die rollende rote Reisetasche für ein Auswildern am Mittwoch Morgen.
Ghanescha hat mir und spy je ein Buch von unserer Wunschliste NEU gekauft, meines ist „Der letzte Mann im Turm“ von Aravind Adiga, der den „White Tiger“ geschrieben hat, hier erstmal ein herzliches Dankeschön dafür. MalLisa konnte ich auch für zwei Bücher begeistern, was mich freut, denn sie ist mir ihren Kindern und Enkeln im Moment stark beansprucht, wie sie uns mitteilt.

Lotta_torkel musste leider schon um neun Uhr kapitulieren, was nicht verwunderlich ist nach einem anstrengenden Arbeitstag, hat aber immerhin tapfere 90 Minuten ausgehalten (Sie hat einen neue, tolle Stelle, wie sie uns verriet, und wir hoffen, dass es dieses Mal die richtige ist).
Unser Wirt im Hintergrund, ein wirklich netter Mensch, danke für Alles.

franaloe entpuppte sich als sehr sympathische  junge Frau, die erst noch ganz in der Nähe wohnt, und unsere Fragen zu ihrer Person geduldig beantwortete, auch schon ein bisschen auf Deutsch, und die wir hoffentlich noch öfters hier im Gloria sehen werden....
Es war ein gelungenes meetup wie Bild zeigt.

Gegen 22h machten sich dann allgemeine Ermüdungserscheinungen bemerkbar, das Gloria hat sich entleert, wir waren noch die Einzigen, und der Wirt am aufräumen. MalLisa hatte ihre Limousine direkt vor der Türe geparkt und wir packten ihren Kofferraum voll mit Osterglocken und Büchern und Reise- und anderen Taschen, und waren sehr froh um ihren Taxidienst nach Hause, wir hätten uns sonst recht abgeschleppen müssen mit all den Sachen.
Unser Tisch.

 Am nächsten Tag ging es dann erst mit Ghanescha und mir ins Mirgros-Restaurant am Limmatplatz frühstücken, zu Fuss, wo wir unterwegs schon viele Bücher auswilderten, darnach die ganze Langstrasse entlang, wo wir beim neuen Backpackers-Hostel noch einen Kurz-Info-Stop einlegten, bis zum Helvetiaplatz die letzten – nicht ganz jugendfreien - Bücher aussetzen, von dort mit dem Tram zum Tigel, wo ich den neusten Le Carré für Fr. 5 behändigen durfte, dann zurück ans Bellvue, wo wir uns am See in die Sonne setzten und mit Apfel und Brot und Wasser picknickten, noch einen Blitzbesuch im Hauptbahnhof und dem Pestalozzipärkli an der Bahnhofstrasse, bevor Ghanescha um 13h16 ihren IC nach Memmingen nach Hause nahm.
Beim Auswildern der Shelfhocker..
Alles im allem war es für mich - weil wir soviel gelaufen sind - etwas anstrengender als sonst, aber spy meinte beim Abschied, das täte mir gut, ich solle das öfters machen - werden wir, haha, und ha und nochmals ha.
Frühstück bei Migrosannys!
Freigelassen!

Freitag, 10. Februar 2012

Apollonia lässt grüssen!


Anlässlich vom Gedenktag der Apollonia gestern wieder einmal nach Zürich ans facebookcrossersmeetup im Cafe Gloria gereist. Die Hinfahrt mit den ÖV war unspektakulär, abgesehen von der verschneiten Landschaft, wo bei die Scheiben der Bahn meist schneeverstäubt waren, aber die Rückfahrt hatte es in sich, aber davon später.

Bei Spy-there wartete schon das Dachzimmer an der Limmatstrasse, was heisst, dass ich dort ein weiteres Mal übernachtet habe, was immer mit Genuss verbunden ist, denn das Zimmer ist sehr schön mit dem alten versiegelten Holzriemenboden und der grasgrünen Wand beim Bett. Von zwei Seiten von Licht durchflutet und einen Blick auf den Kreis 5, Herz, was willst du mehr?

Am Abend im Gloria an unserem Tisch 3 Paar blanke Äugelein, also 6 Stück genau, die sich gegenseitig in Augenschein nahmen, und wir hatten ausnahmsweise für einmal Zeit, uns etwas persönlichere Geschichten zu erzählen. Wir, das waren Spy-there, MalLisa und meine Wenigkeit, also der allerhärteste Kern vom harten Kern der facebookcrossers-Gruppe. Spy erhielt von mir das Buch von Dieter Moor: „Was wir nicht haben, brauchen sie nicht: Geschichten aus der arschlochfreien Zone“, und wir durften erfahren, dass sie einmal mit Dieter Moor (ja, genau, derselbe, der nach Brandenburg, in den ehemaligen Osten, wovon alle flüchten, wie es heisst, ausgewandert ist) einen Film drehte mir ihr in der Hauptrolle. Der Titel aus dem Jahr 1981 lautet:Der Hunger, der Koch und das Paradies (Fernsehspiel, SRG/ZDF), und die Kritik darüber auf http://www.fkc.at/13iffi.htm#DER%20HUNGER
 ist sehr gut, so dass ich den Film sehr gerne einmal anschauen täte......
Hier die Details:
Erwin Keusch/Karl Saurer CH 1981- OF - 88min - 16mm - Mono
Dass selbst ein fast 25 Jahre alter 16mm-Film technisch besser ist als die grassierende Video-Seuche bewies Karl Saurer mit seinem Film über eine Reise durch die Restaurants der Schweiz in 13 Gängen, dabei ist ein junger Dieter Moor zu bewundern und die 13 Gänge beziehen sich auch auf die Beziehung zwischen dem Spitzenkoch und einer Kellnerin, die immer wieder vom Arbeiten in Ausland träumen…
**** herausragendes Beispiel eines perfekt gemachten dokumentarischen Spielfilmes über das professionelle Kochen von der Werkskantine bis zur Top-Gastronomie bei politischen Gipfeltreffen.



Auch MalLisa erzählte aus ihrem Leben, so dass wir uns scheibchenweise immer etwas näher kennen lernen.
Spy brachte u.a. das zweite Buch von Reine Paholo mit, das wir beide jetzt gelesen haben, und Spy erzählt MalLisa, dass die Königin meine facebookfreundin ist, auf das hin sie das Buch zum lesen mitnimmt. Bin also sehr gespannt darauf, was sie von dem biografischen Buch über die mittlerweile waschechte Afrikanischen Auswanderin hält.

Auch brachte Spy einen schmackhaften veganen Kuchen mit, den wir mit Genuss verzehrten. (Der nette Chef vom Cafe Gloria lässt uns gewähren, und MalLisa übernimmt grosszügig unsere Konsumation in flüssiger Form, danke sehr dafür an dieser Stelle.)
Spy zeigt mir auf ihrem mitgebrachten MacBookPro, wie ich meine Bücher direkt aufs shelf vom Gloria poste, also: in die Wildnis freilassen anklicken und nicht Weitergabe, was ich immer (falsch) machte. (Diese Info ist nur für BC-lerInnen, interessant imfall.)


An dieser Stelle auch mal Dank an Spy für ihre wie immer sinnigen meetup-icons, kleine Kunstwerke, welche Arbeit geben, wie wir alle wissen. (Fotos vom meetup gibt es dieses Mal keine, die Zeit verging wie im Fluge, wir kamen einfach nicht dazu.)



Gegen 22h, der Schnee rieselte leise, wurde frau von MalLisa in ihrem Ford Mondeo nach Hause gefahren, wo wir dieses Mal den Rank noch ganz knapp erwischten, fast hätte sie sich wieder verfahren im Autoverkehrstschungel, aber nur fast. Mit diesem Wagen würde ich gerne einmal nach Cadiz oder nach Marokko fahren, speziell bei diesen eisigen Temperaturen.....denn heute ging zudem noch eine gemeine, eiskalte Bise, die wie Messer in die Wangen schnitt, aber mit meinem warmen Schal über der Nase so vermummt Frau Bise ein Schnippchen schlage.

Meine letzte Lektüre? Agota Kristof: Das grosse Heft.
Gerne würde ich es hier empfehlen, ABER. Aber es sollten es nur lesen, wer entweder abgebrüht ist was Kriegserlebnisse anbelangt (schwierig, nicht?), oder wer soweit abgeklärt ist, dass er sich die Schilderungen im Buch meint zumuten zu können....denn bei Agota ist jeder Satz wie ein geschliffenes Messer, wer nicht aufpasst, wird damit gemetzelt, meuchlings, und unerbittlich. Hier erfahrt ihr wie es wirklich zugeht in einem Krieg, und wie die 66 Millionen Tote vom Dritten Reich AUCH zustande kamen, also nichts für zarte Gemüter. Ich musste auch alt werden, bis ich so ein Hammer-Buch (das bloss ein schmales Büchlein bei Piper ist) ganz lesen konnte, und ich habe Verständnis, wenn jemand sagt: Das ist nichts für mich. Denn Agota sorgt dafür, dass es auch uns noch weh tut, wenn wir nach über 60 Jahren lesen, was sie zu sagen hat über die Vorkommnisse damals in Ungarn.

Nun aber noch die Geschichte von der Rückfahrt nach H. Es war zwei Minuten zu spät für den Zug um 14h09 und 30 Minuten zu früh für den nächsten. Und da es in der Unterführung Sihlquai keinen Wartesaal gibt, wollte ich in den Burger-King etwas trinken, und dort an der Wärme warten. Gleich als ich eintrat und zu der Tafel wollte, wo die Konsumationen angeschlagen sind, stoppte mich die süsslich lispelnde Stimme der Asiatin am Kontor: „Thie müfhen etwaf tlinken.“ Meine Synapsen blockieren einen Moment zur Mattscheibe. Ja, was denn, ich möchte erst sehen was es gibt, reagiere ich ungehalten, und verzichtete dann im aufsteigenden Ärger auf eine Pappbecher braune Brühe für 3Fr.20 und rauschte wieder hinaus. Wie wäre es gewesen, wenn sie mich, so auf gut AMERIKAnisch, mit ihrem antrainierten Lächeln begrüsst hätte: „Wie kann ich ihnen helfen?“ oder: „Nehmen sie doch gleich hier Platz, hier ist es schön warm.“

Dies mein kurzer 30 Sekunden Ausflug in die Filiale vom Züri-Burger-Home-Land des Kapitalismus, den wir notabene auch in NY im 83 schon einmal als gnadenlos erlebten, nicht erst hier im eisig kalten Zureich, davon aber vielleicht ein ander Mal.

Also mit meiner roten Reisetasche (mit Rollen gottlob) auf die andere Seite der Passage gewatschelt , hoffend, dass sich dort ein warmer Ort auftäte...aber leider Fehlanzeige. Also wieder zurück und mit der Rolltreppe hinauf auf Gleis 12 und dort, mit ein paar anderen Unentwegten auf dem eiskalten Rost der Wartebank platz genommen, vertrauend auf meine Mongolischen Gene, dass der Körper die knapp 20 Minuten warten im Freien bei Minus 8 Grad schon gut überstehe, obwohl die Knie in der Kälte schon knarzten. 

Bald kam der Zug, und nichts wie hinein, aber oh Schreck, vergessen, die Mehrfahrtenkarte zu entwerten, gerade noch rechtzeitig daran gedacht, also mit einem Adrenalinschub wieder raus auf den Perron, nach vorne gerannt - wo ist der Orange Apparat zum entwerten, nein, zurück, beim Aufgang muss einer sein. Und ja, da war er und rasch wieder in den Zug, der bald abfährt. Da ich in der Regel mit einem Retourbillet ausgestattet bin, ist das immer ein Stress, daran zu denken, mit welchem Billet ich jetzt unterwegs bin.
Schräg visavis von mir sitzt eine jüngere Asiatin, in ihre Lektüre vertieft, ich in mein 20Minuten, und dann kommt noch ein baumlanger - Jawasdennnun? und setzt sich zu uns, mir gegenüber. Er spricht in sein Handy in einer für mich absolut fremden Sprache, Pakistanisch etwa? In Winti steigt die Asiatin aus und ich lege das 20 Minuten hin und nehme meinen Wolf Hass mit „Ausgebremst“ zur Hand. Der Fremde rückt auf den freigewordenen Fensterplatz und nimmt sich das 20 Minuten, blättert darin, sein Handy klingelt wieder, und wieder diese seltsame unbekannte Sprache. Irgendwann gucken wir uns an, er lächelt mir zu und ich wage zu fragen welche Sprache er spricht, was mich auch wirklich interessiert. Er scheint kein Deutsch zu verstehen, also probiere ich es mit Englisch. Auch Fehlanzeige. Dann verstehe ich etwas wie „francais“....also probiere ich es auf Französisch, was leider auch nicht wirklich funktioniert. Nach minutenlangem Hinundher, in allen drei Sprachen, versteh ich dann immerhin, dass er seit 5 Monaten als Asylant aus dem Tibet hier ist. Ich sofort „Rikon, do you know Rikon?“ Es macht nicht dem Anschein. Ich schreibe ihm den Namen auf das 20 Minutenheft. RIKON –TIBETAN TEMPLE....er starrt lange auf die Schriftzeichen, ich lese sie laut vor, zeige mit dem Finger auf die Silben. Dann! Heureka! Ein erkennendes Lächeln erleuchtet sein Antlitz, „Ah, Tibet Monasteri....“ er hat also schon mal davon gehört. Ich versuche ihm zu erklären, dass in Rikon eine grosse Gemeinde von Tibetern lebt, aber ,wie es scheinen will, hat er keinen grossen Kontakt zu ihnen und schon wieder geht sein Telefon, er wird wohl instruiert wohin es gehen soll in St. Gallen, wo seine Reise im Zug endet, wie er mir zu sagen im stande ist. Selbstredend hört der ganze Zug mit, denn wir sind die Einzigen die sprechen.
Bald schon sind wir in Gossau SG angelangt und es heisst Abschied nehmen.

Es freut mich immer wieder Leute aus anderen Kontinenten und Kulturkreisen zu treffen, da mir doch schon seit Jahren der Mut fehlt, und nicht mehr aus Europa heraus bin, was nicht dramatisch ist, denn Reisen ist jetzt anders als in meiner Jugend, sie sind nun kürzer und erst jetzt entdecke ich den Osten Europas. Mit bookcrossing haben wir die Möglichkeit Menschen aus aller Welt zu treffen, die gerne hier nach Europa kommen, wie z.B. Makita21 aus Down Under, die wir in Amstermdamse boos angetroffen hatten, wir uns auf Anhieb glänzend verstanden, und wir nun via Skype  hin und wieder gemütlich Chatten, sie an Abend, ich am frühen Vormittag, und ja, es hilft, dass auch sie Deutsch als ihre Muttersprache hat.

„It’s all about people“ wie mein Amerikanischer Fast-Schwiegersohn einmal ausrief, als hätte ihn DIE Erkenntnis getroffen - und ja, auch haben wir Alle eine Zeitbombe in uns, die unerbittlich tickt und die „Tod“ heisst, und wir einander deshalb helfen sollten, diesen kurzen Funken Leben möglichst gut zu leben. So wie Gestern und Heute für mich einfach nur „GUT“ waren.
ZumAbschluss noch ein witziges Bild aus Ungarn...wie wohl unser Bild aussähe? Vielleicht hat Spy eine zündende Idee?

Freitag, 9. Dezember 2011

hypen und skypen - bc- meetup via skype



Der Beweis.
Gestern das erste Mal via Skype an einem meetup teilgenommen. Hatten wir nicht schon vor Jahrzehnten davon geträumt, dass das einmal Realität sein wird: Zu telefonieren und gleichzeitig die Menschen zu sehen, ja, gar in ihre Räume zu gucken und sehen, was sie gerade machen und wo sie sich befinden. Es ist ein bisschen wir mit dem autofreien Limmatquai-auch da wagten wir nicht zu hoffen, dass es einmal wahr werden würde, und doch, so wie das telefonieren mit Bild für die Jungen von heute Alltag ist, ist der autofreie Limmatquai heute Alltag. Freude frauscht.
Jedenfalls fand diese Apotheose in die virtuelle Wirklichkeit gestern Abend auch für mich statt. Wir wissen nun, wie das ist, wenn 16 jährige nur noch in ihr iPhone gucken und dieses wie eine Trophäe vorführen und ständig in der Hand halten, im Zug und im Bus, wie ein Geschenk des Himmels, während wir Abgehalfterten etwas konsterniert gucken nicht nachvollziehen können, was jetzt so wahnsinnig wichtig ist an dem Gerät. Aber ich schweife ab.

Wir sind also über Skype mit dem Cafe Gloria im schönen Kreis 5 am meetup der facebookcrossers verbunden, natürlich mit Spys MacBook pro und hier mit meiner iMac-Omi aus dem Jahr 2009.

Anwesend ist die wie immer in glänzender Laune befindlichen Kerngruppe mit Spy, Lotta_Torkel und MalLisa. Gerne hätten wir Spys originelle Krippe näher beguckt denn die sah toll aus so wackelig über den Äther, hoffe, dass sie sie uns noch genauer in einem Foto zeigt. Selber schob ich meinen kleinen Christbaum näher an die Kamera, den ich u.a. mit allerlei Strohsachen dekorierte, von denen ich eine stattliche Sammlung besitze, und den ich den Anwesenden im Gloria zeigen wollte. Und ja, auch das Gloria hat sich weihnachtlich herausgeputzt, und der Wirt begrüsste mich und ich grüsste zurück. Wir dürfen dankbar sein, dass er uns so freundlich gesinnt ist und sein kleiner Imbiss - das Gloria-Ciabatta - ist wirklich sehr zu empfehlen.
Wir quatschten drauflos, die Video-Konferenz mit Hans Witschi kam leider nicht zustande, da erstens dafür hätte bezahlt werden müssen, zweitens er nicht daheim war. Trotzdem ging die Zeit im Flug vorbei und macBook Akku zur Neige, sodass es dann um halb zehn Schluss mit Lustig war, wenigstens für mich. Sie in Zürich lachten darüber, dass ich scheinbar von den vielen Büchern jeweils nur den Klappentext lese, weil ich jedes Mal, wenn ich ein Buch empfehle zugeben muss, dass ich es NICHT gelesen hatte...aber es stimmt nicht dass ich keine Bücher lese. Zur Zeit lese ich endlich: „Zündels Abgang“ von Markus Werner, das ich allen ans Herz legen möchte, ein Buch, das wohl zur Pflichtlektüre nicht nur für Schweizer gehört. Was ich auch noch habe kommen lassen, ist das erste Buch von Rheine Paholo: "Schwarzer Prinz, weisse Königin". Weil ich ja noch nie in Afrika war, und es auch nie sein werde, wie ich fürchte, lese ich ganz gerne diese Erlebnisberichte von den Frauen und lerne so Land und Leute kennen. Wie Picasso bin ich fasziniert von der Afrikanischen Kunst, auch das Schicksal von Afrika lässt mich nicht gleichgültig – immer verfolge ich die Entwicklung dort, und ja, liebe Freunde: Lese auch darüber.

Lotta_Torkel hat ihre Metzgete im Unterengadin diesen Herbst heil überstanden, gratuliere herzlich dazu. Selber wäre ich gerne auch dabei gewesen, es wäre eine tolle Gelegenheit gewesen Lavin zu erleben, aber der Zeitpunkt war einfach sehr ungünstig, hoffe deshalb auf ein nächstes Mal.

Wie mich die Zürcherinnen sahen.

Das Wichtigste zuletzt: Sie möchten mich nun tatsächlich einmal besuchen kommen hier in Herisau, dazu würde MalLisa mit ihrem Auto fahren. Es wird aber wohl Frühling werden, wie ich fürchte, denn bald wird der Schnee auch zu uns herunter kommen, und die Strassenverhältnisse sind nicht mehr so toll. Wir freuen uns auf den angekündigten Besuch. Frohe Festtage allen Bücherfreunden und ganz speziell den Freunden von facebookcrossers.


Zuallerletzt noch das Allerneuste: Littletonwitch und MissMarkey kommen in die Schweiz und wollen uns besuchen im Mai. Wir wollen ihnen einen tollen Aufenthalt bieten, und rechnen fest damit, dass wir sie dann am meetup der facebookcrossers begrüssen können.
 

Freitag, 11. November 2011

facebookcrossersdienstagsmeet-up

Zürich begrüsste uns gestern am 8. November 2011, Mittag 13Uhr in elegantem grau-in-grau: granitgrauer Bahnhof, stahlgraue Limmat, taubengrauer Himmel, Blick in Richtung See und Alpen: nebelgrau - aber immerhin trocken und leidlich warm bei ca. 15-16 Grad, der Himmel: hell.

Es ist Dienstag, facebookcrossersdienstag, und eigentlich mein freier Tag. Eigentlich. sollte da nicht Nichtstun angesagt sein und Erholung vom Alltagsstress?.....Nun, „nichts“ tun ist für mich etwa so anstrengend wie einen Dressigkilometermarsch mit schwerem Gepäck, womöglich noch dazu Nachts im unwegsamen Gelände: un-mög-lich. (Das mache ich, wenn ich schlafe - das Nichtstun, nicht den Gewaltmarsch.)


Dieses Mal freut mich besonders, dass sich für das heutige meet-up im Cafe Gloria Hans Witschi angekündigt hat - IN PERSON dieses Mal – und nicht via Skype wie auch schon. Ich freue mich natürlich immer auf die meet-ups, aber Hans’ Malerei gefällt mir echt, und da passiert es nicht alle Tage, dass sich ein bekannter Künstler Zeit für einen Plausch nimmt mit uns Ladys.


Wie immer entlang der schon bekannte Spur zum Brocki Tigel und dann Stadtzürcher Brocki, heute mal mit einem Abstecher zur Schule für Angewandte Linguistik SAL an die Sonneggstrasse, weil ich dort ein paar Bücher freilassen will nach dem Motto: Kommt das Pferd nicht zum Wasser, kommt das Wasser zu Pferd.....erhoffe mir einen Erfolg, wenn es nur einen Eintrag für ein in die Wildnis entlassenes Buch gibt, bin ich schon zufrieden....(was auch schon eingetroffen ist, aber davon später).

Im Tigel ein paar interessante Bücher in den dafür bereitgestellten Korb getan und mich nach hinten damit aufs Sofa gepflanzt, um darin in Ruhe zu schmökern.....sozusagen das Alternativprogramm zu den eleganten Buchläden in der Innenstadt, die ich zwar hin und wieder besuche, deren Bücher ich mir aber einfach nicht leisten kann, und es mir deshalb dort auch nicht so wohl ist, weil ich ja weiss, dass die Verkäufer da sind um zu verkaufen und sie mich beäugen, hoffend, dass ich mit einem oder mehreren Büchern an der Kasse erscheine. Einmal bin ich zu OF am Bellevue, habe kühn Blatt und Bleistift an der Kasse verlangt, und mir die Titel aufgeschrieben, die frau einmal lesen möchte......etwas gewagt, zugegeben, aber die ältere Dame an der Kasse hatte Verständnis, oder war einfach nur gut geschult und zuvorkommend, behandelte mich so, als hätte sie Frau Bertelsmann persönlich vor ihr.....im Tigel jedenfalls kosteten die 5 oder 6 Bücher Fr. 21.-, also ein ganz guter Preis für soviel Lesestoff.

Zuerst aber vom Bahnhof ins Gloria, mein oranges Rücksäckli auf Rädern abstellen, und einen Happen essen..(Das Gloria Ciabatta mit gegrillten Auberginen und Salat für den kleinen Hunger ist sehr zu empfehlen). Dann ein paar Bücher aus- und wieder eingepackt und ein paar in den dafür vorgesehenen Plastiktaschen (Dank an Wyando dafür) an der Hand um sie am Weg zum Tram an passenden Stellen zu deponieren.....zeitgleich tiefschürfende Gedanken wälzend, wie und wo wohl die potentiellen LeserInnen am liebsten die Bücher behändigen würden, dass es vielleicht gar nicht so schlau ist, die Bücher an gut sichtbare Orte zu legen, dass sie viel besser etwas diskreter platziert werden sollten, damit sie auch diskreter beguckt und allenfalls an sich genommen werden können.....
Stelle diese Frage am nächsten Meetup mal zur Debatte, bin gespannt, was dabei heraus kommt.

Ein Buch hat auf jeden Fall seine neue Leserin gefunden, was mich unheimlich freut, weil es sich auch um den ersten Eintrag für ein in die Wildnis entlassenes Buch ist für mich, ein voller Erfolg also. Sie schrieb auch einen netten Text dazu, das sie sehr erkältet sei, etc. (Siehe Bild). Dass sie auch gleich ein Profil gemacht hat, erhebt sie wenn nicht in den Bücherhimmel, so doch allemal in den bookcrosser-olymp , und ich wünsche ihr rasche Besserung und viel Freude bei der Lektüre.


MalLisa hat sich leider nicht blicken lassen, was mit allseitigem Bedauern zur Kenntnis genommen wurde. Dafür Lotta-Torkel - leicht aufgekratzt –, und auch Spy ist mit der obligaten halben Stunde Verspätung auf ihrem Citybike eingefahren. Selbst war frau schon um halb sieben zugegen, Hans kam pünktlich um 19h auf seinem Superleicht-Rollstuhl hereingerollt, unser Tisch mit 6 Sitzplätzen ist gut gewählt, kein bisschen zu gross, wie sich herausstellt, da Spy und ich wieder jede Menge Bücher anschleppten, und der Doppeltisch damit belegt, und sie zumeist zum Motto des Abends passen, das da lautet: Die Menschheit hatte nochmals Schwein gehabt, der Meteor zischt heute noch mal an der Welt vorbei......wir also in Weltraumliteratur förmlich verdampften – in die Sphären vom höheren Blödsinn, wir uns den ganzen Abend mit Blödeln und Erzählen unterhielten, v.a. Lotta-Torkel mit ihrem freudschen Versprecher, den ihr Chef nicht zu bemerkt haben schien, weil er doch sehr tief hat blicken lassen. Wie sich die Geschichte noch entwickelt, wird uns LT bestimmt beim nächsten Mal erzählen.


Als ich Hans frage, ob er früher schon einmal im Gloria war antwortet er: „Ja, vor ca 10 Jahren, und ja es hat sich verändert, sieht jetzt aus wie die Kantine von einem Behindertenheim...“ Wahr ist: Das Cafe Gloria hat den Glanz einer alten Diva, seit dem Space Age in den 70ern kaum renoviert, doch die leichte Schäbigkeit ist womöglich durchaus gewollt...Es gibt ja viele Cafes, die mit der Renovation gleich auch die Gäste ersetzen, und das kostet je nach dem viel Zeit, und da Zeit bekanntlich Geld ist, wird sich der Wirt eine (teure)Renovation zweimal überlegen, aber jetzt, da drinnen nicht mehr geraucht wird, dürfte nach unserer Auffassung ein bisschen frische Farbe schon sein.

Mit 12 neuen Büchern im Gepäck um 21h10 auf den Zug gewetzt und um 23h15 müde und glücklich daheim und gleich ins Bett, und ja, weil hundemüde, diesmal ganz ohne Krimi:-).





Hier noch ein schaurig schönes Video mit dramatischer Musik unterlegt zum aktuellen Thema:
http://www.youtube.com/watch?v=yYgEwXWilUc



Freitag, 16. September 2011

Urbanes (Er-) Leben


Der Beweis.




Zürich, den 13. September 2011

Die Schweiz und damit Zürich zeigt sich an diesem Dienstag wieder einmal von ihrer allerschönsten Seite: Ein prächtiger Altweibersommertag mit in lockerer Formation segelnden Kumuluswölkchen wie hingemalt an einem strahlend blauen Himmel begrüsst mich am Nachmittag einfahrts HB Zürich, die Luft mild und angenehm warm. Einmal mehr reise ich mit dem Zug anlässlich von unserem facebookcrossers meetup im Cafe Gloria am Abend.

Und wieder darf ich mich bei Spy unter ihrem Dach einlogieren, steige gleich mit ihr hoch auf die üppig begrünte Terrasse die Pflanzen zu giessen, beschliesse angesichts der Wärme in der nahen Limmat ein Bad zu nehmen, ein wohl letztes Mal in diesem Sommer, wenigstes für mich. Das Badekleid ziehe ich gleich über, nur mit einer Hose bekleidet und einem Tuch von Spy wetze ich los zu Fuss die paar Schritte über zwei Strassen zur Limmat hinab.

Das offizielle Flussbad am unteren Letten ist zwar schon geschlossen, macht aber nichts, denn gleich daneben ist noch „offen“. Zusammen mit anderen Badefans, jung und alt, punkig und proper, geht’s über die Absperrung unter der Fussgängerbrücke, wo die schöne Steintreppe bis ans Flussufer geht, ein, nein DER ideale Ort an und ins glasklare Wasser zu gelangen. Der Gehweg ist dort breit genug um sich auszustrecken, zu lesen oder einfach nur zu sein, das Wasser dort hat Trinkwasserqualität. (Wo in der Welt ausser in Zürich findet frau so was?) Es ist azurblau und smaragdgrün und glitzert in der klaren Herbstsonne. Und hier ist – im Gegensatz zum offiziellen Bad -die Strömung von Wasser auch weniger stark, sodass es sich angenehm im warmen Wasser planschen lässt.
Die Limmat fliesst hier ruhiger, zieht in der Nähe des Ufers fast gar nicht, sodass ohne Angst gefahrlos geschwommen werden kann. Es hat vier künstliche Steinhaufen im Fluss, die den Strom etwas kanalisieren, und und man so nicht mitgezogen wird. Was natürlich einige – erfahrenere? – Schwimmer und Schwimmerinnen nicht davon abhält, genau das tun, nämlich sich von der Strömung flussabwärts mitziehen zu lassen; etwas, das ich mich nicht getraute, denn wo und wie gefahrlos wieder ans Ufer gelangen? Für auswärtige Landeier wie mich ist dieser Spass nicht unbedingt empfehlenswert.
In den hoch über uns vorbeidonnernden Schnellzügen können die Reisenden auf uns herab sehen, wenn es etwas wie ein Paradies gäbe, müsste es hier sein.

Um halb Sechs mache ich mich über die Fussgängerbrücke und dem Damm entlang – halbblutt - durch das geschäftige Feierabend-Zürich auf den kurzen Nachhauseweg zum Reihenaltstadtwohnhaus vis-a-vis der Grossbaustelle von der ehemaligen Brauerei.

Im Gloria sind wir dieses Mal unser vier, MalLisa hat wie immer ihre gute Laune mitgebracht, was freute, wie die Fotos hier und auf facebookcrossers zeigen.

Die Zeit vergeht viel zu schnell, mir schwatzen, lachen, surfen, reden über Gott und die Welt und gute Bücher, schon bald ist es wieder 10 vorbei und Spy muss heim etwas essen. Sie lädt uns aber ein, in ihrem lauschigen Hinterhof noch einen Schlummertrunk zu nehmen.









MalLisa fährt mich mit ihrem Auto und verfährt sich, es ist kompliziert der Limmatstrasse entlang mit dem Auto und ich bin froh, dass ich nicht fahren muss. Bis wir dort sind ist es halb elf und sie möchte nun heim. So sitzen also Spy und ich und Steves Mac im Flutlicht vom Scheinwerfer unter dem Baumhaus, und sie kommt auf die Idee, noch ihren Freund, den Maler Hans Witschi via Skype anzurufen, und so sind wir plötzlich wieder drei am Tisch und wir quatschen gut und gerne 20 Minuten und amüsieren uns mit der Kamera, weil immer wieder der Scheinwerfer ausgeht und Hans uns dann nicht sehen kann, und von uns dann jemand aufstehen muss, damit er wieder angeht (Bewegungssensor). Seine Katze kommt gerade heim, er lenkt die Kamera auf sie so dass wir sie sehen können und schickt uns den link zu seinem New Yorker Appartment (very chic) im Internet. Hans wird im November für ein Symposium in die Schweiz kommen, und ja, mir gefällt seine Art von Malerei.
Nach einem ereignisreichen Tag erschöpft gegen 23h30 ins Bett und wunderbar geschlafen.

Am nächsten Morgen ist das Wetter trüb und nass, unten an der Tramhaltestelle sind bunte Regenschirme aufgespannt, auf der Grossbaustelle gegenüber glänzt der Boden vom Wasser. Der Herbst ist angekommen. Das Bad in der Limmat vom Vortag ein Geschenk des Himmels im wahrsten Sinne des Wortes. Zum Frühstück Pulverkaffee und Bürli mit Mayo und dann ab in die Stadt. Mache immer die gleiche Tour, erst im Seefeld ins Tigel , dann hinterm Gloria ins Brocki . Preise allgemein angucken und v.a. interessante Bücher finden selbstredend. Ein paar Schnäppchen im Brocki gefunden, sie hatten - Überraschung - einen grossen Tisch mit Einfrankenbüchern unten beim Eingang.
Zusammen mit den Büchern vom Shelf im Gloria, die dort von Unbekannt hingestellt wurden und noch nicht eingelesen sind und die ich deshalb mitnehme, schleppe ich ganz schön. Aber, göttingelobt, sind es überall nur ein paar Schritte bis zum nächsten ÖV, und beim Eisteigen bitte ich jeweils einen Mann mit starkem Arm um Hilfe, der mir mit meinem beladenen orangen Wägelchen immer gerne behilflich ist. Immerhin bin ich auch schon eine ältere Dame und muss nicht mehr alles selber machen.
Bein Abschied zeigte mir Spy noch den Suppenladen „Limmat-Lädeli „in ihrem Haus, das täglich frische und feine Suppen kocht und auch ein Büchergestell ist an der Wand, wo das bring&hol-Prinzip herrscht, Spy bringt hin und wieder Bookcrossing-Bücher dorthin, wo sie auch von unbekannt behändigt werden. Ich nehme drei mit, aber mehr geht nicht mehr: Ich bin beladen wie ein Packesel.

Im Tram zum Bahnhof passierte dann noch etwas Witziges: Am Limmatplatz steigen zwei dicke Afrikanerinnen im besten Alter ins Tram. Sie wollen eigentlich zusammen sitzen, dass geht aber nicht, weil der junge Mann, anstatt einen Sitz hinüber zu rutschen, einfach sitzen bleibt, so dass sich die Frauen den Mann in die Mitte nehmen und um ihn herumreden mussten, was sie auch lautstark taten. Die eine Frau war doch leicht irritiert über dieses etwas seltsame Verhalten des Mannes und sie lacht zu mir herüber und sagt mehr zu sich selber: „Ah, les Suisses.“ Ich grinse über alle Backen und, nachdem ich den Mann nochmals genauer in Augenschein nahm, erwidere ich: „Maybe he is British“, was sie aber nicht zu verstehen scheint. Der Mann verzog keine Mine bei dem Ganzen, blieb einfach steif sitzen. Er sah ein bisschen aus wie Mr. Bean, viel gefehlt hätte wirklich nicht, aber wenn er Englisch verstanden hat, dann hatte er sich sehr im Griff, was ja auch eher auf ein nordisches Temperament schliessen liesse.....

Wir werden es nie erfahren, woher er kam. Aber typisch schweizerisch ist das nicht, im Normalfall rückt man einen Sitz weiter in so einem Fall, v.a. da sich die Dicke ja an ihm vorbeizwängen musste um auf den Sitz neben ihm zu kommen.....aber sie schaffte es erstaunlicherweise, ohne dass er sich auch nur einen Milimeter bewegte. Wie kommt mir das vor? Schon eher „unschweizerisch“, was aber bei dem Vielvölkergemisch von heute in dieser Stadt irgendwie auch nachvollziehbar ist.

Mit einem perfekten Timing im Bahnhof auf den Zug, sogleich mit lesen angefangen, der ÖV brachte mich gut zurück in die eigenen vier Wände, wo ich jetzt wieder lange zehre vom Ausflug ins urbane ÖV -(Er)-Leben und nicht zuletzt von dem Bad in der kristallklaren Limmat. Danke an MalLisa und Spy-there für den gelungenen Abend.

Zum 40 sek-video unten: Das Grüppchen freundlicher Punks mit Hund und allem was sonst noch dazu gehört, wie Bierbüchsen, Hanfgeruch, etc, war nicht unbedingt mein erklärtes Lieblingsmotiv, vielmehr wollte ich damit die friedliche Stimmung hier unten am Letten einfangen, was mir, wie mir scheint, auch ganz gut gelungen ist (Boccaccio 2.0 lässt grüssen). Nur, als ich mit meiner alten coolpix, die so gar nicht wie eine Kamera aussieht, zu filmen anfing und dann auch ins Mikro zu reden begann, rief mir der dunkle italomässig aussehende, und als netter Kapo der Gruppe auftretende junge Mann sogleich herüber: "Hey, nöd filme bitttee" zu, was mich zwar im Redefluss stoppte, aber mein Finger blieb auf dem Knopf wie Figura zeigt :-D und ich weiter filmte, ihm dann aber noch - wie am Schluss zu hören - einen Knochen hinwarf…., das Versprechen aber dann doch bleiben liess, da ich annehme, dass auch er insgeheim im Internet unsterblich werden möchte, wenn auch nur für Sekunden und leider ganz und gar unscharf, sorry man. Und danke, dass ihr dort wart, auch wenn uns euer Hund, jedes Mal wenn er aus dem Fluss kam, ganz ungeniert nass spritzte, aber es war ja bloss das glitzernde Nass aus der Limmat und somit kurmässig total gesund, oder?

Freitag, 15. Juli 2011

facebookcrossers meetup BBQ in Zürich 5, 12.7.2011

Das Lachen der Frau klang wie das kollern schwerer Steine in einem Gebirgsbach.....seit einer Stunde sind wir zusammen im Zug und seitdem spricht sie laut in ihr Handy, durchsetzt mit exotischen Klicklauten, diese zum ersten Mal in meinem Ohr; mit der dritten Gesprächspartnerin unterdessen, die Frau dunkel, aus geschätztem Äthiopien, die Nägel verlängert im Nailstudio, auch die der Zehen.....eine glänzende Hose aus hellem Taft ins Aubergine oszilierend umhüllen die schlanken Beine......und sie ignoriert ihre Umwelt umfassend. Und die braven Schweizer – indigniert – hören die fremdländischen Laute, die von Anglizismen durchsetzt sind, Begriffe, die es in ihrer Sprache wohl noch nicht gibt. Auch als in Zürich Halt ist am Hauptbahnhof, spricht sie während dem Aussteigen laut und unverhindert weiter, als wäre sie allein auf der Welt. Was sie vielleicht auch ist, was wissen wir schon über solche Realitäten.

Ich bin unterwegs zu einem Barbecue vom monatlichen facebookcrossers meetup, das dieses Mal im Kreis 5, genauer, in Spys Hinterhofgarten, mit Baumhaus und Gartenfestmöbilierung, stattfindet. Es ist heiss. Sehr heiss, zu heiss um nicht an ein kühlendes Bad im See zu denken. Immerhin kam der Badanzug mit, denke ich, als ich an der grossen schweren Eingangstüre von Spys Haus stehe und klingle.....

....es wurde dann ein fantastischer Nachmittag und Abend. Ein Traum. Zürich wetteifert ja mit Wien um die höchste, die beste Lebensqualität, und wir mitten drin. Nach dem Bezug vom Gästezimmer im Dachstock, und einem Ausflug auf die Dachterrasse, wo Spy ihre Pflanzen bewässerte, ging es erstmal unweit des Hauses zum Bad in der Limmat, das Wasser glasklar und azurblau auf der Badeseite, braun auf der anderen, da die Sihl, die in die Limmat fliesst, wie mir Spy erklärt, natürlich braun ist, weil soviel Erde mitgeschwemmt wird, was aber die Badefreuden keinesfalls irgendwie beeinträchtigt.

Derart abgekühlt war der Grill-Abend ein Genuss der Extraklasse, vor allem weil lotta_torkel noch eine Spaerribseite vom Lamm in der nahen Markthalle postete, und davon grosszügig an alle verteilte, ausser natürlich an Spy, die das Fleisch „gruselt“, wie sie sagt, na ja, für eine Veganerin ja keine abwegige Haltung.

Anwesend waren: Seeta, Spy, Manuma, Mal-Lisa, und lotta_torkel, frisch aus Albanien zurück, wovon sie uns begeistert erzählte - und eine Handvoll Nachbarn an einem zweiten Tisch...und alle in bester Laune. Und last but not least war uns der bekannte Kunstmaler Hans Witschi aus New York (ein Freund des Hauses) via Skype auf Spys MacBookPro zugeschaltet, und somit war die fröhliche Runde perfekt. Fast gingen darüber die Bücher vergessen, aber nur fast. Mann und Frau interessierten sich irgendwann gegen 23h doch noch rasch dafür, die Kohlen im Grill waren ausgekühlt, die Riesenscampi und marinierten Tofustücke verputzt, der köstliche Wein ausgetrunken, doch für den angekündigten Bücher-Quiz hat es nicht mehr gereicht....leider, oder besser: göttingelobt, denn es wurde gar niemandem zu keiner Zeit langweilig, die hervorragenden einheimischen Weine öffneten Seele und Zunge, alle, aber gar alle hatten etwas zu erzählen, und so vergingen die Stunden für einmal praktisch ganz ohne Bücher und wie im sprichwörtlichen Flug und es wird, wie ich hoffe, für alle Anwesenden ein denkwürdiger Anlass bleiben. Eines muss noch gesagt sein: es war zwar ein facebookcrossers meetup aber die Bücher waren für einmal kaum der Rede wert. Was für einmal nicht weiter schlimm war, oder? Die Fotos sind auf facebookcrossers group zu finden.